Wer billig kauft, kauft zwei mal

Als Fotograf möchte ich mich ständig entwickeln und neues ausprobieren. Vieles kann man mit Kreativität lösen und manchmal stößt man an technische Grenzen. Diese Grenzen zu erweitern kann kostspielig werden. In meinen Anfängen habe ich deswegen eher auf die günstigen Lösungen billig produzierter Chinaware  gesetzt. Doch ich habe schnell gemerkt: billig kaufen heißt zwei mal kaufen, denn der Preis spiegelt sich in der Regel 1:1 in der Qualität wieder – bis auf wenige Ausnahmen.

Qualität gegen Geld?

Nun wollte ich mir etwas richtig feines leisten. Mein alter Hensel-Porty hat mit 1200Ws zwar mächtig Kraft unter der Haube, ist aber aufgrund von Gewicht und sperrigem Handling kaum auf Hochzeiten einsetzbar. Also musste etwas neues her und dieses mal wollte ich auf Qualität setzen.

Relativ neu auf dem Markt und sehr gut bewertet ist der Profoto B1 500 AirTTL. Ein Blitzkopf mit integriertem Akku bei einem Gesamtgewicht von nur 3,5 kg. Die Leistung liegt mit 500Ws zwar weit unter dem Hensel, gleicht dies aber durch seine HSS-Fähigkeit wieder aus, die mir das Blitzen bei offener Blende und kurzen Verschlusszeiten ermöglicht. Obendrein ist das TTL-Feature äußerst interessant und meines Wissens in der Welt der Porties einmalig. Für dieses gute Stück muss man inkl. TTL-Fernbedienung und einem zweiten Akku rund EUR 2.000,00 auf den Tisch legen.

Welch eine Freude, als das Gerät endlich eintraf. Das war wie Weihnachten unter der Sonne Mallorcas. Doch bevor ich produktiv damit loslegen konnte, musste erstmal die Firmware auf den neusten Stand gebracht werden. Bei dieser Gelegenheit habe ich das Gerät dann auch gleich inkl. Seriennummer bei Profoto registriert.

Blitzt…blitzt nicht…blitzt…blitzt nicht…

Es gingen ca. zwei Wochen ins Land, bis ich den Blitz erstmals produktiv einsetzen wollte. Die Hamburger Modedesignerin Julia Starp war nach Mallorca gekommen, um mit mir für ihr Charity-Projekt „Fairy Tale Heroes“ zu fotografieren. Erste Ernüchterung: der nigelnagelneue Blitz arbeitete nicht wie erwartet. Entweder ging er nach jedem Schuss von selbst aus oder er ließ sich gar nicht erst einschalten. OK, ich hatte die Bedienungsanleitung nicht richtig gelesen, an einen Bedienfehler wollte ich aber trotzdem nicht glauben.

[vimeo url=“https://vimeo.com/127756843″ width=“360″ height=“200″]Eines der Symptome war, dass der Blitz sich zeitweise nicht einschalten ließ. Dieses Video habe ich mit einem Leih-B1 aufgezeichnet. Bei meinem Gerät war es aber exakt dieselbe Symptomatik.

Nach einigen Nachforschungen in Benutzerforen sowie eingehender Studie der Betriebsanleitung kam ich noch immer zu keinem schlüssigen Ergebnis. Also fragte ich bei meinem Händler, ob ich irgend etwas falsch gemacht hätte. Dabei kam heraus, dass mein Gerät zu einer fehlerhaft produzierten Serie gehörte – dies war bei Profoto bekannt.

Kundenservice geht anders

Bitte was? Profoto wusste also Bescheid und hielt es nicht einmal für nötig, registrierte Kunden auf diesen Fehler hinzuweisen? Ein starkes Stück, wie ich finde. Bei Geräten dieser Preisklasse darf man eigentlich einen etwas besseren Kundenservice erwarten. Aber es wird noch besser.

Der Händler hatte natürlich keine intakten Austauschgeräte, da sich im Lager nur Modelle aus der betroffenen Serie befanden. Also blieb nur die Reparatur eines Fabrikneuen Gerätes durch den Hersteller.

Das kommt mir spanisch vor

Um Wege und Zeiten kurz zu halten, wendete ich mich an den spanischen Profoto-Service. Dieser brauchte ganze drei Tage um mir zu antworten, dass sie das Problem nicht kennen und nicht genau sagen können, wie lange sie für die Reparatur brauchen. Außerdem hätte ich es auf eigene Kosten einsenden müssen. Klar, oder?

Der Profoto-Service in Hamburg war da schon kompetenter und freundlicher. Man bot mir an, den Blitz bevorzugt zu reparieren. Ein Austauschgerät konnte (oder wollte) man mir nicht vorab zusenden. Immerhin sollten die Versandkosten übernommen werden. Also packte ich alles schön ein, trug es noch am selben Abend zum spanischen DHL und am nächsten Tag war das Paket bereits in Hamburg zugestellt.

Vor sechs Wochen bezahlt und es blitzt noch immer nicht

Das ist jetzt fast genau zwei Wochen her und ich ich habe den Blitz noch immer nicht zurück. Er hängt jetzt irgendwo zwischen einer deutschen und spanischen Übergabestelle und lässt sich weder mit der deutschen, noch mit der spanischen Trackingnummer aufspüren.

Meine Gefühlslage dazu lässt sich nicht als erfreut bezeichnen. Übermorgen möchte ich den Blitz bei einer Hochzeit verwenden und ich habe so meine Zweifel, dass das klappt. Man könnte jetzt auf die Idee kommen, Profoto nicht den schwarzen Peter für die Paketlaufzeit in die Schuhe zu schieben. Aber vielleicht hätte das Unternehmen die Ware nicht mit der preisgünstigsten Möglichkeit auf die Reise schicken sollen.

Warten auf Godot

Super, oder? Ich bekomme – vielleicht irgendwann – ein generalüberholtes Gerät zum Neupreis nach einer logischen Lieferzeit von sechs Wochen (gerechnet ab Bestelldatum 31. März 2015). DAS ist Service! Danke Profoto. Sowas habe ich bisher noch nicht einmal mit Chinaware erlebt!

Update 14. Mai 2015

Der Blitz wurde soeben zugestellt. Ein kurzer Gerätecheck lässt vermuten, dass die Reparatur erfolgreich war und das Problem nun beseitigt ist. Morgen kommt der Blitz mit zu einer Hochzeit. Wir werden sehen…

UPDATE 16. MAI 2015

Gestern war der Blitz auf einer Hochzeit und hat sich während der Arbeit drei mal von selbst ausgeschaltet. Das war zwar nicht ganz so häufig wie vor der Reparatur, akzeptabel ist das aber trotzdem noch nicht. Die Korrespondenz mit dem Hersteller läuft und ich werde berichten, sobald es Neuigkeiten gibt.

UPDATE 17. MAI 2015

Bei einem Kurzauftritt gestern Abend hat der Blitz wieder sein altes Verhalten an den Tag gelegt: nach dem Einschalten hat er sich sofort wieder verabschiedet mit dem darauf folgenden Einschaltproblem wie im Video oben. Heute ist Sonntag…da haben die Jungs von Profoto Arbeitspause. Aber morgen erwarte ich eine Reaktion auf meine e-Mail und bin schon gespannt, was da kommt.


[note note_color=“#b1dd8a“]Info zur betroffenen Serie: solltest Du auch ein merkwürdiges Verhalten an Deinem B1 bemerkt haben, kontrolliere doch einfach mal die Seriennummer. Nach den mir vorliegenden Informationen können alle Geräte betroffen sein, die eine Nummer von 150422.0758 bis 150422.3900 tragen.[/note]

Quelle Titelbild: Profoto

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