Ich bin politisch kein gut informierter Mensch. Aber ich erschrecke mich in letzter Zeit regelmäßig über die wachsende Zahl fremdenfeindlicher Aktionen. Da bilden sich Gruppierungen wie PEGIDA und andere Splittergruppen, die ihre Abneigung gegen Fremde massiv kund tun und Flüchtlingsunterkünfte attackieren.

Wenn ich so etwas höre und lese, fällt mir immer dieses Youtube-Video von dem kleinen Mädchen ein. Es ist ein Mädchen von weißer Hautfarbe. Ein Mädchen mit europäischem Aussehen. Es könnte die Tochter vom Nachbarn sein, die Freundin Deiner Tochter….sie könnte sogar Dein eigenes Kind sein. Das Video beginnt mit einem Geburtstagslied. Dann folgt der Alltag des Mädchens: zur Schule gehen, mit Freunden spielen, aus Spaß Mama’s Make-up auflegen. Schöne heile Welt – so wie jedes Kind sie sich wünscht und wie auch wie wir sie uns wünschen. Plötzlich bricht Hektik aus. Radiomeldungen, streitende Nachbarn, Kampfflieger über dem Haus, die Familie flüchtet mit dem Auto, hinter dem Mädchen explodiert irgendwas… Alles ist jetzt anders. Keine heile Welt mehr. Ganz plötzlich. Ohne Vorwarnung.

Genau so muss es einer Vielzahl dieser Menschen ergangen sein, die nun bei uns Schutz suchen. Nur weil sie eine andere Hautfarbe haben, nur weil sie in einer staubigen, heißen und kargen Umgebung leben, nur weil sie vielleicht Muslime sind, ist für sie der Krieg noch lange nicht besser erträglich oder kommt weniger überraschend. Und sie haben auch ganz sicher kein Leben in Armut und Todesangst verdient.

Wir sitzen auf unseren schicken Sofas in unseren aufgeräumten Wohnzimmern, glotzen ins TV-Gerät und konsumieren ganz lässig die Kriegsbilder als seien es Computerspiele. Dabei mampfen wir eine fettige Pizza vom Lieferservice. Wir haben es einfach gut. Oder geht es uns zu gut? Wir können uns ziemlich sicher fühlen, dass uns so etwas wie in dem Video nicht passiert. Wir genießen den Luxus eines sicheren Lebens. Und trotzdem ziehen einige von uns los und werfen mit Steinen und brennenden Flaschen auf diejenigen, die aus einer solch schrecklichen Situation geflohen sind und Schutz und Hilfe suchen. Leute, was geht in Euch vor? Was hat man Euch getan, dass Ihr so viel Hass aufbringt um diese armen Menschen derart anzugehen? Warum schießt Ihr auf Wehrlose?

Dieser Mangel an Empathie ist erschreckend und alarmierend. Hat einer von Euch Steinewerfern und Bannerträger schon mal versucht, sich in die Lage einer Flüchtlingsfamilie hineinzuversetzen? Stellt Euch vor, dieses Mädchen in dem Video ist Eure Tochter. Stellt Euch vor, Ihr müsst alles hinter Euch lassen: Euer Haus, Euren Job, Eure Freunde…Euer ganzes Leben. Stellt Euch vor Ihr hört von einem Land, in dem Ihr keine Angst vor herumfliegenden Kugeln und einschlagenden Bomben haben müsst, wenn Ihr dort hingeht. Ihr macht Euch also auf den Weg – der gewiss kein leichter ist – und tragt den kleinen Funken Hoffnung in Euch, dass Ihr nun bald keine Todesangst mehr leiden müsst. Und nun stellt Euch vor, Ihr seid endlich am Ziel und werdet dort von einer Fackel schwingenden Meute erwartet, die Euch mit hasserfüllten Augen anblickt, Euch beschimpft und mit Steinen nach Euch wirft. Da ist sie wieder, die Todesangst.

Warum muss das so sein? In Deutschland ist der ärmste der Armen immer noch reicher als jeder Flüchtling.

Gemeinsam hätten wir so viel zu geben – und das muss nicht immer Geld sein. Verschwenden wir doch bitte keine Energie um damit die Feindlichkeit zu schüren. Wandeln wir sie doch viel lieber um in Freundlichkeit und Herzensgüte. Empfangt die Flüchtlinge mit offenen Armen. Gebt Ihnen eine warme Decke, ladet sie an Euren Tisch, hört Euch ihre Geschichte an.

Ich bin weder getauft, noch habe ich jemals die Bibel gelesen. Trotzdem möchte ich eine Passage daraus zitieren, die auf die Situation passt wie die Faust auf’s Auge. Jeder möge diese Passage nach seinen Fähigkeiten interpretieren :

Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet. Denn mit welcherlei Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welcherlei Maß ihr messet, wird euch gemessen werden. Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge? Oder wie darfst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen, und siehe, ein Balken ist in deinem Auge? Du Heuchler, zieh am ersten den Balken aus deinem Auge; darnach siehe zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!

Wollt Ihr wirklich weiter Terror verbreiten? Denn dann seid Ihr nicht besser als die, die Ihr Terroristen schimpft. Was wäre, wenn Ihr unter Todesangst in ein fremdes Land flüchten müsstet? Wie möchtet Ihr dort empfangen werden, wo Ihr Schutz und Hilfe erhofft? Denkt bitte mal darüber nach…

Das Video

Wer das Video nicht kennt dem empfehle ich unbedingt, sich die 93 Sekunden zu nehmen und es sich anzuschauen:

Der Cartoonist Ralph Ruthe hat sich auf seiner Facebook-Fanpage ebenfalls zum Thema geäußert. Ich finde seine Gedanken dazu großartig und ich hoffe, dass viele Menschen mit ausländerfeindlicher Gesinnung dies lesen und hoffentlich mindestens zum Nachdenken angeregt werden:

Gedanken vom Cartoonisten Ralf Ruthe zum Thema Fremdenfeindlichkeit in Deutschland

 

(Aufs Bild klicken um den Beitrag auf der Fanpage von Ralph Ruthe zu lesen)

 

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