Geistiger Diebstahl und seine Folgen aus der Sicht eines Urhebers

Spätestens seit dem Einzug des Internets in die privaten Haushalte ist es immer wieder ein Thema, das die Gemüter erregt: die anwaltliche Abmahnung.

Doch was steckt wirklich dahinter und sind alle Abmahner tatsächlich Schweine, Abzocker oder gar schlimmeres?

Als Fotograf stehe ich ab und an „auf der Seite des Bösen“. Das ist ein guter Grund, sich ungerecht behandelt und unverstanden zu fühlen und es wird Zeit, für Aufklärung zu sorgen.

 

Jedes Kind weiß: Stehlen ist verboten!

Wir lernen es schon als Kinder von unseren Eltern und vielleicht auch noch in der Schule: man soll nicht nehmen, was einem nicht gehört.

Jedem ist also klar, dass er das im Supermarkt offen dargebotene Snickers nicht einfach so mitnehmen darf. OK…einige machen es trotzdem, aber die sind hoffentlich die gesellschaftlichen Ausnahmen. Was tut der gut erzogene Teilnehmer einer sozialen Gemeinschaft also? Richtig: er unterwirft sich den Regeln die alle (oder die meisten) für gut befunden haben, stellt sich an die Kasse und zahlt.

Leider fehlt dieses einfache Rechtsverständnis bei den meisten, wenn es um geistiges Eigentum geht – insbesondere bei Fotos.

Der Fall Jan Böhmermann hat es mal wieder gezeigt: Nur weil etwas im Internet frei dargeboten wird – sei es ein Foto, eine Illustration oder ein Song – ist es noch lange kein Allgemeingut. Es ist also genau so zu handhaben wie die Ware im Supermarkt.

 

Und wer ist nun schuld?

Gute Frage: Wer ist eigentlich schuld daran, dass es für geistiges Eigentum kein Rechtsbewusstsein gibt? Sind es die Eltern, die Schulen, der Staat? Vielleicht ist es ja allein die Sache an sich – kann man geistiges Eigentum doch weder sehen, noch riechen, schmecken oder gar anfassen…in der Regel zumindest. Das macht es natürlich schwierig, dafür ein Rechtsverständnis zu entwickeln.

Der Kampf der Musikindustrie hat in der Zwischenzeit allerdings für etwas mehr Sensibilität gesorgt. Für Fotografien ist dieses Bewusstsein allerdings noch nicht sehr ausgeprägt. Die Anfertigung eines Fotos wird von der breiten Masse leider immer noch nicht als schöpferische Leistung und/oder als Arbeit mit ihrem eigenen Wert anerkannt.

 

Dabei ist es ganz einfach

Die meisten denken, das deutsche Urheberrecht sei kompliziert und unübersichtlich. Dabei sind die Grundregeln kann einfach:

  • Hast Du das Bild gemacht, also bist Du der Urheber? Nein? Dann darfst Du es ohne Erlaubnis auch nicht veröffentlichen! Auch dann nicht, wenn Du den Namen des Urhebers dazu schreibst.
  • Sind auf dem Foto Menschen zu sehen, und hast Du ihre Erlaubnis, das Foto zu veröffentlichen? Falls nicht, lieber darauf verzichten! Das gleiche gilt für Fotos, die Du auf einem Privatgelände angefertigt hast.
  • Hast Du vom Urheber eine Nutzungslizenz erworben? Falls ja: das ist schon mal gut! Darin ist i. d. R. die erlaubte Nutzung genau definiert. Aufgepasst: Wenn Du z. B. ein Nutzungsrecht für den Abdruck in einem Flyer erworben hast, darfst Du das Bild aber noch lange nicht auf Deiner Webseite oder in Social Media verwenden. Wenn Unklarheit besteht, einfach noch mal den Lizenzgeber fragen.

Das waren schon die wichtigsten Punkte. Ist doch eigentlich gar nicht so schwer, oder? Wenn Dir der Beitrag gefallen hat würde ich mich freuen, wenn Du Ihn in Deinem Social Media Netzwerk verbreitest. Vielleicht setzt auf diese Weise ein breites Verständnis für das Thema ein, ohne das wir Fotografen den gleichen unangenehmen Kampf kämpfen müssen, wie es die Musikindustrie getan hat.

Wichtig: die obigen Punkte sind keinesfalls als juristische Beratung zu verstehen und ersetzen diese auch nicht. Im zweifelsfall immer einen Fachanwalt fragen.

#janböhmermann #böhmermann #martinlanger

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